Dieser Frage begegne ich oft. Entweder stelle ich sich sie mir selbst oder mein Gegenüber äußert sie, aus gleichnamigen Gründen des mehr oder weniger ausgeprägten Zweifels am Gelingen des eigenen Schaffens. Kann ich das? Woher kommt diese Angst, die ja nichts Schlimmes ist? Wir werden ja nicht auf der Flucht von einem blutrünstigen Wirbeltier niedergestreckt.

Wir vergleichen, das ist es.  Tadaa, da hat der Rainer aber mal was Bahnbrechendes rausgehauen. Diese scheinbar belanglose Aussage ist meiner Meinung nach, gerade im social media Zeitalter, mindestens eine Fußnote wert. Natürlich schreibe ich diese Gedanken aus der Perspektive des Portraitfotografen und fange bei mir an.

Ich habe, immer wenn ich fotografiere, Schiss es zu vermasseln. Egal ob Hochzeitsreportagen oder Portraits – und davon habe ich nun einige auf dem Buckel. Das war schon immer so und das wird wohl immer so bleiben. Eat the frog. Ich bilde mir ein, dass ich Portraits recht ordentlich fotografieren kann. Nur eben nicht so gut, dass ich mich selbst jedes Mal überrasche. Genauer, ich enttäusche mich immer wieder aufs Neue. Ich mag meine Sachen, so ist das nicht, ich bin jedoch sehr davon überzeugt, dass da noch Luft nach oben ist. Ich muss das „oben“ nur noch finden. Ich möchte meine Bilder persönlicher, intimer fotografieren. Was immer das für mich auch heißen mag. Das alles ist ok und spornt mich an.

Schade ist es, wenn die Befürchtungen, nicht zu genügen, Begegnungen verhindern. Das ist sehr schade. Sehr schade. Ich habe folgendes festgestellt –  für den Kompass: Es spricht der Portraitfotograf: Entweder glauben Mädchen (selbst schon erlebt), sie sind so unglaublich toll, dass sie nur mit 40k+ Influencerfotografen fotografieren, weil sie in deren Fahrwasser mitgespült werden….. Oder sie halten sich für nicht befähigt, vor der Kamera zu stehen. Ich komme zum Kern dessen, was ich loswerden möchte.

Häufig vor der Kamera stehen Models. Das ist ein Beruf mit dem man Geld verdienen, herumreisen und tolle Menschen kennenlernen kann. Wenn man dann noch gut in social media ist, dann rappelt es in der Followerkiste, was wiederum gut fürs Business ist. Wunderbar, ich finde das komplett in Ordnung. Warum erwähne ich das?

Ich möchte Menschen fotografieren, die mir im Alltag „über den Weg“ laufen. Deren follower sind mir wurschd. Irgendetwas triggert mich und ich muss diese Menschen ansprechen oder anschreiben. Weil ich vorhin den Begriff Angst beschrieben hatte: Mir fällt das Ansprechen und um Portraits bitten sehr schwer und ist eine meiner Baustellen. Aber jetzt weiter.

Ich frage dich – ich wechsle jetzt zur direkten Ansprache, vielleicht macht es den Artikel ansprechender – ob ich dich fotografieren darf. Du bekommst von mir eine Postkarte mit Exemplaren meiner Arbeiten und ein Lächeln. Was machst du? Vielleicht vergleichst du dich mit Beiträgen aus deinem socialmedia stream, mit Bildern aus Zeitschriften,….. Vielleicht denkst du: Kann ich das?

DU KANNST. Ich finde es so unfassbar schade, wenngleich verständlich, dass Begegnungen wegen der nachvollziehbaren Überlegungen/Befürchtungen/Ängste nicht zustande kommen. Ich kann das so sehr nachvollziehen und ärgere mich gleichsam darüber.

Wie schon gesagt, wir vergleichen, wir bewerten. Das ist nicht zwingend zielführend, aber ein Teil von uns, sofern wir uns nicht dagegen wehren.

Was geht nun in meinem Köpfchen vor: Als Fotograf sehe ich dich und du faszinierst mich. Die Art wie du im Café deinen Job machst, wie du auf der Straße einfach an mir vorbeigehst, wie du deine Meinung vertrittst… vieles. Ich möchte diese Momente festhalten. Mit Momenten meine ich Mimiken, Gestiken, Emotionen. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir uns treffen.

Vergleiche dich nicht zu sehr mit Models anderen Menschen. Lass´ dich, sofern dir die Arbeit eines Fotografen gefällt – und nur dann –  einfach ein.

Mehr möchte ich gar nicht sagen. Ach ja. Die nachfolgenden Bilder zeigen Frauen, die keine professionellen Models sind. Ich durfte sie fotografieren.

Portraits im zeitRauM

 

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